Buchtipp: Salto vitale

 

Ich kann nicht stehen. Ich kann nicht sitzen. Ich kann hervorragend liegen, ich bin bis zum Hals gelähmt. Die Bruchlandung mit dem Auto, die meine motorischen und sensorischen Körperfunktionen lahm legte, ereignete sich an einem Sonntag auf der Straße nach Melun, am 17. März 1996, drei Tage nach meinem 35 Geburtstag...

Dies sind die ersten Sätze des autobiographischen Romans „Salto Vitale“ von Bruno de Stabenrath. Stabenrath alias Poisson Chat, Musiker, Schauspieler und Liebhaber zahlreicher Frauen, führte bis zum 17. März 1996 ein exzessives Leben. Er tingelte mit seiner Band durch Frankreich, lebte in den Tag hinein, hatte kein geregeltes Einkommen, in seiner Wohnung in Paris hielt er sich nur selten auf und überall wo er gerade war, lernte er schnell Frauen kennen, die mit ihm die Nacht verbrachten. Doch mit einem Mal ist alles anders!

Mit diesem Buch schildert Stabenrath die ersten Tage, Wochen und Monate in seinem 2. Leben; das Leben als Querschnittsgelähmter.

Er schreibt sich seine Erfahrungen von der Seele, erzählt mit überraschend viel Humor vom bitteren Aufenthalt im Krankenhaus, vom Leben in der Reha – Klinik („Club Med für Versehrte“), dem „Land der Querschnittsgelähmten“ und seinen ersten sexuellen „Gehversuchen“ mit dem fremdgewordenen Körper.

Unterstützt durch seine Familie, seine zahlreichen Freunde und Freundinnen sowie Therapeuten, gelingt es Stabenrath sein Leben wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen und die neuen alltäglichen Herausforderungen so gut es geht zu meistern.

Das Buch brilliert durch seine Authentizität, weil Stabenrath bewusst die Probleme eines Querschnittsgelähmten schonungslos beim Namen nennt: Blasen- und Darmstörung, Intimitätsverlust, Sensibilitätsstörungen, Selbstmordgedanken, Erektionsprobleme,   .   .   .   .   .  Tabus werden gebrochen!

Der Leser muss seine geblümte rosarote Brille ablegen. Im Handumdrehen befindet er sich in der Welt eines Querschnittsgelähmten und sieht für einen „gesunden“ Menschen völlig normale Dinge  mit anderen Augen zu sehen.

Stabenrath´s Erzählungen bestechen durch eine besondere Art der Komik und Lebenslust und zeigen, wie nah Verzweiflung und Komik, Mutlosigkeit und Lebenslust beieinander liegen. Bemerkenswert ist, das Stabenrath keineswegs auf die Selbstmitleidsschiene gelangt.

Zitat: Als Querschnittsgelähmter ist man nicht krank, man muss nur mit einem schweren, unbeweglichen Körper umzugehen lernen.

Ein weiteres Beispiel für seine humorvolle Art und Weise mit dem Schicksal umzugehen: Das Krankenhaus stellte mir ein im Rücken geknöpftes baumwollenes Spezialnachthemd zur Verfügung. Darunter trug ich von der Leistengegend bis zur Brust ein wattiertes und abgestepptes Stützkorsett, Stil „Jean Paul Gaultier“.

Wer dieses Buch lesen und käuflich erwerben möchte, findet hier noch folgende Informationen: 

Das Buch umfasst 343 Seiten, kostet in der gebundenen Ausgabe 19,95 Euro und ist im Februar 2002 im List Verlag erschienen. 
ISBN – Nummer:
3471788263

 

Geschrieben von Torben Bech, Juni 2003